{"id":540,"date":"2015-09-16T14:14:33","date_gmt":"2015-09-16T12:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/beatemueller.com\/?p=540"},"modified":"2017-03-08T15:30:51","modified_gmt":"2017-03-08T14:30:51","slug":"sylvia-boehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/beatemueller.com\/?p=540","title":{"rendered":"Sylvia B\u00f6hmer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bilder von der Sch\u00f6nheit einer beil\u00e4ufig sichtbaren Welt\u00a0(Auszug)<\/strong><\/p>\n<p>Beate M\u00fcllers Fotografien zeigen uns urbane Ansichten, in Nah- und Fernaufnahmen, Naturausschnitte und im weitesten Sinne Stillleben. Auf den ersten Blick sind sie frei von Handlungen. Sie erz\u00e4hlen keine vordergr\u00fcndigen Geschichten. <!--more-->Diese Bilder kommen \u2013 von einigen schematischen Andeutungen abgesehen &#8211; ohne Menschen aus. Doch zeigen sie fast immer Orte, an denen Menschen sich aufhalten oder die vom Menschen gepr\u00e4gt wurden. Der Mensch existiert hier haupts\u00e4chlich in seiner Abwesenheit: als potentieller Nutzer von parkenden Autos, als Zugreisender, dessen Blick auf spiegelnde Abteilfenster oder durch sie hindurch nach der au\u00dfen vor\u00fcberziehenden Welt wir folgen, als Fachmann des Verh\u00fcllens und Verbergens durch Vorh\u00e4nge und Jalousien.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nAus der Perspektive der Kunstgeschichte erinnert mich diese Vorliebe f\u00fcr das Allt\u00e4gliche und Unspektakul\u00e4re an einen einschneidenden Perspektivwechsel in der holl\u00e4ndischen Malerei des 17. Jahrhunderts: Waren bis zu Beginn dieses Jahrhunderts Naturdarstellungen mit Versatzst\u00fccken aus der Antike, mit sturmgepeitschten Baumwipfeln und Gewitterwolken oder \u00e4hnlich dramatisch aufbereiteten Effekten versehen oder Stadtansichten mit bedeutsamen architektonischen Details bereichert, so wurden diese Darstellungen pl\u00f6tzlich von undramatischen Schilderungen der heimischen Landschaft, kleinen D\u00f6rfern oder beschaulichen Innenansichten abgel\u00f6st, bei denen es sich um v\u00f6llig allt\u00e4gliche \u2013 um nicht zu sagen banale Sujets handelte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist der geschulte fotografische Blick der K\u00fcnstlerin, der in einfachen, fl\u00fcchtigen Nebens\u00e4chlichkeiten \u00e4sthetisch neu motivierte Bilder entdeckt. So erinnert ihre Arbeitsweise an die einer Arch\u00e4ologin, die selbst im stickigen Abteil eines Regionalexpresses fremdartiges Terrain betritt, Spuren sichert und deren Wertigkeit festh\u00e4lt, ohne ihre \u201eFundst\u00fccke\u201c sp\u00e4ter in irgendeiner Weise zu manipulieren. (\u2026)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In konzeptioneller Hinsicht stehen die Bilder in der Tradition der \u201eObjet trouv\u00e9\u201c, die K\u00fcnstler wie Marcel Duchamp vor 100 Jahren begr\u00fcndeten, indem sie triviale Gegenst\u00e4nde aus ihrem nat\u00fcrlichen Kontext l\u00f6sten und dazu aufforderten, sie \u00e4sthetisch wahrzunehmen. Doch die Provokation von damals war eine andere. Beate M\u00fcller l\u00e4sst die Gegenst\u00e4nde wo sie sind, entdeckt aber in deren Verh\u00fcllung einen neuen \u00e4sthetischen Reiz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter anderem in Mehrfachspiegelungen fordert sie mit ihrer Kunst den Blick des Betrachters heraus, irritiert seine Sehgewohnheiten und seine Erwartungen. Nichts ist, wie es scheint.<br \/>\nBeate M\u00fcller ist von der Kraft und der ambivalenten Natur jener Dinge und Situationen fasziniert, die sich dem schnellen ersten Blick entziehen, deren formale wie inhaltliche Qualit\u00e4ten sich aber nach Momenten des Innehaltens und des Perspektivwechsels neu und anders offenbaren. (\u2026)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilder von der Sch\u00f6nheit einer beil\u00e4ufig sichtbaren Welt\u00a0(Auszug) Beate M\u00fcllers Fotografien zeigen uns urbane Ansichten, in Nah- und Fernaufnahmen, Naturausschnitte und im weitesten Sinne Stillleben. Auf den ersten Blick sind sie frei von Handlungen. 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