{"id":733,"date":"2017-03-08T15:26:53","date_gmt":"2017-03-08T14:26:53","guid":{"rendered":"http:\/\/beatemueller.com\/?p=733"},"modified":"2017-03-08T15:26:53","modified_gmt":"2017-03-08T14:26:53","slug":"gregor-jansen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/beatemueller.com\/?p=733","title":{"rendered":"Gregor Jansen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Katalogtext\u00a0\u201eNaturbilder\u201c (Auszug):<\/strong><\/p>\n<p>Zwar ist bei den Naturbildern von Beate M\u00fcller Natur zu sehen, beispielsweise B\u00e4ume, Wiesen, Str\u00e4ucher oder das Meer; jedoch wird uns schnell bewusst, dass wir mit einem g\u00e4ngigen Bild von Natur im modernen Leben konfrontiert werden. Was diese Fotografien abbilden und darstellen, k\u00f6nnte man zutreffender als kultivierten Naturraum bezeichnen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Die Reizbarkeit des Nat\u00fcrlichen und der Reiz dieser bescheidenen Bilder unseres \u2013 und vor allem der K\u00fcnstlerin nahen \u2013 Lebensraums, ist eindrucksvoll. Wir stehen staunend vor der unglaublich schlichten Anwandlung der Natur in diesen Bildern, in dem Wirklichkeitsausschnitt eines bestimmen Moments an einem bestimmten Ort, meist drau\u00dfen, aber auch bisweilen aus dem Auto oder Zug aufgenommen, h\u00e4ufig fl\u00fcchtig und zugleich h\u00f6chst atmosph\u00e4risch. Das fotografische Abbild der Natur als Kultur ist nur sinnlich erfahrbar und mit Worten kaum zu beschreiben, gleichwohl es ohne Worte als kulturelles Momentum auch nicht in einem erfahrbaren Kontext stehen w\u00fcrde. Man muss nicht die Welt bereisen, um die Sch\u00f6nheit und Geschichten des Menschseins zu erkunden. Mit-unter reicht es, seine Umgebung zu beobachten, oder die stillen und sehr einf\u00fchlenden Fotografien von Beate M\u00fcller zu betrachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4ufig scheinen wir damit nicht zufrieden, bestimmen doch heute Bilderfluten in digitaler Form die Wahrnehmung von Welt; einem permanent, erregt-nerv\u00f6sen Fern-Sehen \u00e4hnlich. In der instantanen Verf\u00fcgbarkeit von Bildern als Informationen oder Interpretationen der Geschehnisse in der Welt und einem fatalen Glauben in diese, verfestigt sich die Starrheit des Meinens uns die Gier des Wollens, wohingegen auf der anderen Seite die Kontemplation und Suche nach Geist- und K\u00f6rpergef\u00fchl ins Esoterische \u00fcbersteigert wird. Es besteht ein nur ungen\u00fcgend reflektierter Zusammenhang zwischen Bilderwelt und K\u00f6rpergef\u00fchl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bilder von Beate M\u00fcller halten auf \u00e4sthetische Weise gegen diese sozio-psychologischen Momente; vermitteln uns ein anderes Bild von Natur und vermeiden dabei jede noch so kleine Effekthascherei. In ihren grundehrlichen, zarten als auch sachlichen, leisen wie melancholischen Bildern sind Aufnahmemomente festgehalten, die nicht unbedingt bildw\u00fcrdig erscheinen, aber eine bestimmte Art der Betrachtung hervorrufen: So in den Blick ger\u00fcckt nehmen wir ein visuelles Ereignis wahr und blicken auf Details und Ausschnitte einer uns umgebenden Natur in der unbegreiflichen \u00e4sthetischen F\u00fclle ihres Erscheinens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00fcller sucht fotografisch die Natur als Abbild von Lebensr\u00e4umen und deren Empfindungsqualit\u00e4ten. Sie konzentriert sich auf Fl\u00fcchtiges und Durchl\u00e4ssiges; Vielschichtigkeit zeichnen nicht nur die Motive von Vorh\u00e4ngen und Schleiern aus. Sie vertraut den hauchzarten Details im Zusammenklang einer Gesamtkomposition und widmet sich mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt der Anwesenheit und der Bedeutung scheinbarer Belanglosigkeiten. Ihre minimalistisch oder bisweilen filmisch tr\u00e4umerisch wirkenden Aufnahmen fokussieren eine beil\u00e4ufige Hinwendung, ein schlichtes Aufnehmen von Erlebnissen neben dem Hauptgeschehen. Die kargen Aufnahmen, in ihrer Reduktion und ihrem Verzicht auf erz\u00e4hlfreudige Inhalte, vergegenw\u00e4rtigen uns Momente und so sind wir \u00fcber diese Bilder pl\u00f6tzlich ganz nah bei uns selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Entziehen der Information hat eine Konzentration auf die Bildsprache der Aufnahmen zur Folge. Sie selber verwendet den Begriff einer erweiterten Poesie, mit dem sie eine bestimmte Form der Anschauung verbindet, einhergehend mit der Anerkennung von Qualit\u00e4ten wie Ahnung, Spur und Ber\u00fchrung. In Momenten des Innehaltens und Nachsinnens werden solche Qualit\u00e4ten besonders erfahrbar. In dieser tastenden, sensibel die Oberfl\u00e4chen und sensitiven Eigenschaften der sichtbaren Dingwelt untersuchenden Betrachtungsart, unternimmt M\u00fcller eine Bildrecherche eines mehr und mehr verloren geglaubten Sinns des Daseins, sozusagen den von Empfindsamkeit und Demut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beate M\u00fcllers Bilder sind keine leichte Kost, auch wenn sie auf den ersten Blick einfach wirken, setzen sie ein ge\u00fcbtes Auge voraus. Wie jede gute Kunst, offenbaren sie sich nicht unmittelbar, sondern sie entfalten ihr Potenzial langsam und geben nicht gleich alles preis. Als Betrachter muss man einwilligen und die Geduld haben zu warten. Dann \u00f6ffnet sich eine reiche Welt individueller Assoziationen, die in feinen Spuren in den Bildern angelegt sind. Melancholie gegen\u00fcber und inmitten der sichtbaren Welt klingt an, eine gleichzeitige Durchdringung von Bildsicht und einer unsichtbaren emotionalen Ebene von Weltversunkenheit. So entstehen Aussagen \u00fcber die Gleichzeitigkeit einer zusammenfallenden \u201eAussen- und Innensicht, bei der sich ein \u00e4sthetisch neu motiviertes Bild einstellt \u2013 eventuell auch ein ganz anderes als das Beabsichtigte,\u201c sagte M\u00fcller einmal. Was im Unbeabsichtigten aufscheint und bleibt, ist das feine Beobachten am Rande\u00a0 eines unwirklichen, unspektakul\u00e4ren Ganzen, ein Vorschlag zu weltzugewandter Gelassenheit, die sich beispielsweise unbemerkt in den Pf\u00fctzen spiegelt, wie im Brunnen der Hippokrene. Letztlich ein ganz anderes Selbst-erkennen in Demut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katalogtext\u00a0\u201eNaturbilder\u201c (Auszug): Zwar ist bei den Naturbildern von Beate M\u00fcller Natur zu sehen, beispielsweise B\u00e4ume, Wiesen, Str\u00e4ucher oder das Meer; jedoch wird uns schnell bewusst, dass wir mit einem g\u00e4ngigen Bild von Natur im modernen Leben konfrontiert werden. 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